MAIFEIERN: Hauptgefahr in Pankow Rechte und Linke auf Berlins Straßen
BERLIN - Mit einem Großaufgebot bereitet sich die Polizei in mehreren Städten Deutschlands auf mögliche Gewaltausbrüche am 1. Mai vor. Allein in Berlin sind etwa 40 Demonstrationen angemeldet. Morgen Vormittag will im Bezirk Pankow die rechtsextreme NPD aufmarschieren. Das Bündnis „1. Mai Nazifrei“ hat zur Blockade aufgerufen und wird dabei von der Linkspartei, der SPD, den Grünen und Gewerkschaften unterstützt. Angekündigt haben sich Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, Linken-Chef Oskar Lafontaine und Grünen-Chefin Claudia Roth. Der CDU-Kreisverband Pankow will aber auch Präsenz zeigen. Ihr Chef Dirk Stettner sagte, die CDU werde an der Bornholmer Straße, dem Treffpunkt der Rechten-Demonstration, „ein Zeichen setzen und gegen Gewalt und Extremismus in unserem schönen Bezirk Farbe bekennen“.
Innensenator Ehrhart Körting (SPD) erwartet Gewalt von Rechts und Links. Bei den Rechtsextremen sind diesmal auch Autonome Nationalisten zu erwarten. Sie beschränken sich nicht auf die aus vorangegangenen Jahren bekannten dumpfen Parolen, sondern sind durch eine gewachsene Gewaltbereitschaft aufgefallen. Knapp 6000 Polizisten werden in Berlin im Einsatz sein, darunter etwa 220 aus Brandenburg. Nach den Demonstrationen und Gegendemonstrationen in Pankow wartet die nächste schwierige Herausforderung in Kreuzberg. Um 18 Uhr wollen dort Linksautonome auf die Straße gehen. Deren Demonstration löst seit Ende der 1980er Jahre schwere Krawalle aus. In diesem Jahr gibt es aber Hinweise, dass die Demonstranten weniger auf Randale aus sind, sondern eher öffentlichkeitswirksam Kritik üben wollen, etwa an der Verdrängung sozial schwacher Mieter in Kreuzberg.
Die Gewerkschaften halten ihre traditionelle Kundgebung zum Tag der Arbeit in der City ab. Die Demonstrationsroute führt um 10 Uhr vom DGB-Haus an der Keithstraße zum Brandenburger Tor. Dort beginnt um 11.30 Uhr die Abschlusskundgebung. Mit den Demonstrationen sind erhebliche Verkehrseinschränkungen verbunden. Autofahrer sollten die Innenstadt meiden, für viele Busse und Trams wird es auch kein Durchkommen geben.
Die Demonstrationsstrecke der Neonazis führt am Ostabschnitt der Ringbahn entlang. Wegen des Treffpunkts Bornholmer Straße dürfte aber auch die S 1 zwischen Oranienburg und Wannsee von Auseinandersetzungen besonders betroffen sein. Die Bahn will in enger Abstimmung mit der Polizei auf Ausschreitungen reagieren. (Von Stephan Laude)
03.05.2010, 09:11 Uhr |